Wie soll man Schülern Gerechtigkeit vermitteln, wenn man selbst ungerecht behandelt wird

Ich bin zwar gegenwärtig noch im Referendariat, aber ich denke auch an manchen Tagen an die Zeit, die sich daran anschließt. Natürlich ist zunächst die große Hürde der Prüfung zu überwinden, das steht außer Frage. Sollte ich die Hürde aber überwinden, dann bleibt eine weitere Hürde, die ich vermutlich aus eigener Kraft nicht überwinden können werde – die Verbeamtung.

Da ich eine Nierenerkrankung habe, mache ich mir natürlich Gedanken, ob eine Verbeamtung für mich überhaupt in Frage kommt, denn schon im jetzigen Referendariat, in das man als Beamter auf Widerruf eingestellt wird, haben sich die privaten Krankenversicherungen geweigert, mich aufzunehmen. So weit, so ungut. Im Vergleich zu anderen Referendaren habe ich deshalb rund 120 Euro weniger im Monat zur Verfügung, also circa zehn Prozent. Wenn ich mir nun vor Augen führe, dass es (aufgrund der 24-monatigen Ausbildungszeit) 2880 Euro ausmacht, die mir im Vergleich zu anderen Referendaren fehlt, ist das schon beträchtlich.

Was ist nun aber, wenn ich nicht verbeamtet werde und mir über Jahrzehnte weniger Geld zuteil wird als verbeamteten Kolleginnen und Kollegen? Es tut mir wirklich leid, aber sollte dieser Fall eintreten, dann fehlt mir irgendwie die Motivation dazu, einfach weiter zu machen. Sicherlich gibt es immer wieder besonders ideologische Menschen, die meinen, dass es auf die Bezahlung nicht ankäme, sondern nur auf den Auftrag an sich, nämlich die Kinder zu fördern. Ohne Zweifel, Ideologie gehört dazu, aber es gibt noch eine andere Seite. Diese Seite kann ich allerdings nicht verstehe. Als Mensch, der sich durch ein Studium und das Referendariat „gequält“ hat, möchte man doch eine Würdigung erfahren, aber genau das Gegenteil ist der Fall: Man wird entwürdigt. Meines Erachtens geht es sogar noch viel weiter – man verzeihe mir bitte im Folgenden den kolloquialen Ausdruck – man wird ganz einfach verarscht.

Meine Nierenerkrankung beeinträchtigt mich in keinster Weise. Ich gehe regelmäßig zur Kontrolle und lasse überprüfen, wie sich die Erkrankung entwickelt. Glücklicherweise sind meine Werte stabil und eine Medikamentation ist nicht erforderlich. Dass ich zudem auch noch Sport treibe, auf Alkohol verzichte, nicht rauche und mich gesund ernähre, das wird niemanden interessieren. Man wird also auf mich zukommen und sagen: „Entschuldigung, aber den Beruf können sie als Beamter nicht ausführen, lediglich als Angestellter!“ Hierbei fehlt mir beim besten Willen die Logik.

Wie soll ich denn dazu motiviert werden, Schülerinnen und Schülern beizubringen, dass das Verfolgen und Hochhalten von Gerechtigkeit wichtig ist, wenn man selbst ungerecht behandelt wird? Wie kann ich ihnen aus voller Überzeugung vermitteln, dass gleiches Recht für alle gilt?

Wie kann man einem Menschen mit gesundem Menschenverstand erklären, dass man für die gleiche Leistung weniger verdient als andere? Voller Entrüstung frage ich mich wirklich: Wie kann so etwas sein?

Das einzige, was dieses kranke System erlaubt, ist das Hervorheben eines Zitats von Justinus Kerner: „Der größte intellektuelle Reichtum kann neben der größten moralischen Armut bestehen.“

Daniel S.

Bundesland: Nordrhein-Westfalen


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